ZU DEN BEREICHEN
Baumrigolen: Ein wertvolles Element der Schwammstädte
Der Wasserspeicher unter der Straße
Die Elemente der Schwammstadt gehen Herausforderungen von zu viel und zu wenig Wasser im Huckepack-Prinzip an: Wasser wird in Überschussphasen gespeichert, um es bei Bedarf wieder abzugeben. Eine Schwammstadt besteht aus einem ganzen Orchester unterschiedlichster Elemente, die Wasser aufnehmen, speichern und in Trockenphasen wieder abgeben.
Ein Element der Schwammstadt ist die Baumrigole. Das Problem im städtischen Straßenraum: Nicht nur die Kosten für die Straßenbaumbewässerung nehmen immer mehr zu, sondern auch die Energiekosten der Kläranlagen, die das abgeleitete Regenwasser aufnehmen sollten, als auch die Kosten für die Kanalinfrastruktur, die das Regenwasser transportieren und „entsorgen“ soll.
Oft fließt nach einem Sommergewitter das Wasser entlang der Straße direkt ab und hohe Bordsteine und Kanalisationssysteme verhindern, dass wertvolles Niederschlagswasser zur Bewässerung wiederverwendet werden kann. Viel nützlicher und vor allem wirtschaftlicher ist es, die Straßenbäume direkt mit dem anfallenden Niederschlag zu bewässern.
Die Baumrigole wirkt als cleverer Schwamm unter der Straße: Dabei handelt es sich um eine Kombination aus einer Versickerungsfläche für den temporären Wasserrückhalt und einer unterirdischen Rigole. Teile der Rigole dienen als Wurzelraum für einen Baum. Dies ist vor allem sinnvoll für Bäume in städtischen Gebieten mit hoher Versiegelung und wenig Platz für Grünflächen. Die Rigole kann Regen durch Versickerung aufnehmen, in ihren Kammern unterirdisch speichern und bei Trockenheit an den Baum abgeben, der wiederum Verdunstungskühle und Schatten spendet.
Die Planung einer Baumrigole verlangt die Einbindung der Bereiche Verkehrsanlagenplanung, Wasserwirtschaft und Landschaftsarchitektur. Schließlich sollen die Bäume den Spagat zwischen zu viel und zu wenig Wasser auch stemmen können, nicht durch Schadstoffe wie z.B. Tausalz übermäßig belastet werden und durch eine attraktive Gestaltung akzeptiert und wertgeschätzt werden und somit nicht zu Müllkippen am Straßenrand verkommen.
Wenn diese komplexen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden, entsteht ein pflegeleichtes, wechselseitiges System aus Stadtgrün und Entwässerung. Ein Gewinn für alle!
Projektbeispiel:
Aktuell entwickelt WipflerPLAN gemeinsam mit der Stadt Kaufbeuren standortangepasste Baumrigolensysteme, die seit September 2023 in der Ausführung sind.
Stadt Kaufbeuren: Ausbau der Hüttenstraße
Um den hohen Bewässerungsaufwand für das Stadtgrün und v.a. der Bäume zu reduzieren, entschied sich die Stadt Kaufbeuren beim Ausbau der Hüttenstraße für Rigolenspeicher unter der Straße.
Die Planer*innen mussten dabei insbesondere wegen vorhandener Sparten im Untergrund mit den beengten Platzverhältnissen planen. Außerdem galt es, die Schadstoffbelastung durch den Verkehr zu entschärfen und die verschiedensten Fachdisziplinen zu vereinen: von der Verkehrssicherheit, die Anforderungen an z.B. Bordsteine stellt, über die Wasserwirtschaft, die Entwässerungskomfort und Reinigung gewährleistet bis zur Landschaftsarchitektur, die den Straßenraum attraktiv gestaltet und vitale Baumstandorte schafft.
Diese Herausforderung beim Bauen im Bestand konnte durch ein flexibles, standortangepasstes System gelöst werden: Teilweise sind die Füllkörperrigolen aus Kunststoff – teilweise aus Kies mit Abdichtungssystem verwirklicht worden. Außerdem transportiert ein Verteilersystem das Wasser, das mit einer Vorreinigungsanlage vom Straßenabrieb befreit wird, an Ort und Stelle. Darüber hinaus versorgt ein Belüftungssystem den Baum mit dem benötigten Sauerstoff.
Die neuen Rigolen sparen bei der Stadtverwaltung viele Ressourcen für die Baumbewässerung entlang der Hüttenstraße konnten mit dieser Lösung das Stadtgrün und der Entwässerungskomfort direkt in Einklang gebracht werden.







